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Ohne Bleibe sein…nicht bleiben können?

Wir Menschen brauchen ein Zuhause, eine Bleibe, wo wir sein und bleiben dürfen. Lebensraum, in dem wir gehalten sind und in dem wir uns entfalten können, der uns sicher ist, in dem wir vertraut sind und uns geschützt fühlen.
Mir fallen so viele Menschen ein, die keine Bleibe haben: Obdachlose Menschen, Menschen auf der Flucht, Menschen, die in der Flutkatastrophe ihre Bleibe, ihre Häuser verloren haben, Menschen, deren Häuser im Krieg zerstört werden.
Jesus hatte keine Bleibe, als er geboren wurde, keine Herberge, seine Eltern fanden auf ihrer Reise Zuflucht in einem Stall, in dem er geboren wurde. Aber auch von dort musste die Familie fliehen und später zog Jesus mit seinen Jüngern und Jüngerinnen durch Galiläa, wurde von Freunden und Freundinnen gastfreundlich aufgenommen – aber Jesus hatte keine Bleibe, kein sicheres Zuhause.
„Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege.“, sagt Jesus von sich im Lukasevangelium (Lk 9,58). Und darin wird deutlich, dass die meisten Menschen Jesus, dem höchsten Repräsentanten Gottes, das Quartier verweigern, ihm keinen Raum geben, ihn nicht annehmen. Sie verweigern ihm, unter ihnen ein Zuhause zu finden und verletzen damit seine Würde.
Es gehört zur Würde des Menschen eine Bleibe zu haben, Zuhause sein zu können, in einem vertrauten Raum geborgen zu sein. Deshalb ist es für uns Christinnen und Christen so wichtig Menschen Raum zu geben, die keinen haben, ihnen eine Bleibe zu ermöglichen.
Menschen Raum geben, das ermöglichen wir in unseren Gemeinden, in Gottesdiensten und Festen, in der Seelsorge, in unterschiedlichen Gruppen und Kreisen. Gemeinschaft wird so erlebbar, Gemeinschaft mit Menschen und mit Gott, geteilter Lebensraum, in dem jeder und jede wichtig ist und alle zusammen. In diakonischen Einrichtungen werden Menschen in besonderen Lebenssituationen unterstützt und sie werden ermutigt, eine Bleibe für sich zu finden.
Menschen Raum zu geben, heißt aber eben auch, sich ihnen und ihrer Lebenssituation zu öffnen, wirklich für sie da zu sein und sie mit ihrer Lebensgeschichte verstehen zu wollen, und das meint dann auch, sich nicht vorschnell abzuwenden und sie zu verurteilen, ohne sich auf sie eingelassen zu haben. Und wer sich einlässt, der oder die bekommt dafür oft nicht sofort Dankbarkeit, sondern erstmal das Leid zu sehen und zu fühlen, das diese Menschen erleben… erst wenn die Last geteilt wird, werden Dankbarkeit und Freude möglich.

Joachim hatte viele Jahre auf der Straße gelebt, bevor er Anja kennenlernte. Sie machte ein Praktikum bei der Diakonie und er traf sie in der Kaffeeklappe – dort gab es einen heißen Kaffee in einem freundlichen warmen Raum und Menschen, mit denen man reden konnte. Anja hörte gut zu und sie stellte Fragen, zeigte Interesse und Mitgefühl. Joachim fand es leicht, sich ihr zu öffnen und ihr von sich zu erzählen. Das tat er sonst nie.
Anja war 17 und sie wohnte mit ihrer Familie, ihren Eltern und ihrem Ohne Bleibe sein…nicht bleiben können? Bruder in einem Haus in der Stadt mit drei weiteren Wohnungen und einem gemeinsamen großen Garten. Alle, die in dem Haus lebten, kannten sich ganz gut und waren auf unterschiedliche Weise in ihrer Kirchengemeinde engagiert. Anja erzählte ihnen von Joachim und fragte schließlich, ob sie sich nicht vorstellen könnten, Joachim bei ihnen im Haus wohnen zu lassen. In der unteren Wohnung lebten Karin und Arndt und zu ihrer Wohnung gehörten im Keller zwei schöne helle Räume und ein Bad, die brauchten sie selbst nicht. Nach vielen Gesprächen, einigem Abwägen, Skepsis und Zuversicht und der Zustimmung des Presbyteriums, denn das Haus gehörte der Kirchengemeinde, fiel die Entscheidung, Joachim zu fragen und ihn einzuladen, bei ihnen im Haus eine Bleibe zu finden.
Auch Joachim fiel die Entscheidung schwer, in all seiner Not hatte er sich trotzdem auch frei gefühlt mit seinem Leben auf der Straße und er kannte die Menschen nicht, zu denen er ziehen sollte. Ein Wahnsinnsschritt für ihn… auch ein Entzug stand ihm bevor, er hatte Angst zu versagen. Auch er führte viele Gespräche und irgendwann war es dann klar, er wagte es.
Für alle im Haus begann ein Abenteuer. Harte Beziehungsarbeit, lernen sich zuzuwenden und klar abzugrenzen. Joachim sortierte sein Leben neu. Abgründe taten sich auf und die mutete er auch allen anderen zu, allerdings blieben Anja und ihre Eltern seine Hauptbezugspersonen. Jeder und jede im Haus lernte sich noch einmal selbst neu kennen, mit eigenen Grenzen und Möglichkeiten. Es gab Rückschläge, einmal zog Joachim auf die Straße zurück und schmiss alles hin. Anja und ihre
Familie waren zu der Zeit im Urlaub und Karin und Arndt, die als erste bemerkten, dass Joachim nicht wie gewohnt zu Hause war, zogen los, ihn in der Stadt zu suchen.
Er kam zurück und vieles ging von vorne los. Die Hausgemeinschaft suchte sich Unterstützung von zwei Familientherapeuten. Wieder harte Arbeit, dann aber entwickelte sich mehr und mehr Gutes. Joachim wurde ruhiger und sicherer, wagte sich an die Probleme mit seiner Familie. Gesundheitlich ging es ihm nicht gut. Lange vernachlässigte, körperliche Baustellen verlangten Beachtung und es gab mehrere Krankenhausaufenthalte und Operationen. Nach ein paar Jahren war das Gröbste durchlebt und Joachim gehörte wie selbstverständlich zur Hausgemeinschaft. Er hatte sich verändert, lebte sein Leben verantwortlich. Fand Aufgaben in der Kirchengemeinde, war verlässlich für andere da.
Er hatte eine Bleibe gefunden, ein Zuhause, in dem er sein kann und bleiben wollte, Menschen, die sich mit ihm auf den Weg gemacht hatten und die er Wichtiges gelehrt hatte. Alle hatten sich entwickelt, Unterschiedliches gewonnen.
Gott sei Dank! Amen.

Ihre Pfarrerin

Katrin Fürhoff

 

Losung

Donnerstag, 29. September 2022
Josua fiel auf sein Angesicht zur Erde nieder, betete an und sprach: Was sagt mein Herr seinem Knecht?
Jesus kniete nieder, betete und sprach: Vater, willst du, so nimm diesen Kelch von mir; doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe! Es erschien ihm aber ein Engel vom Himmel und stärkte ihn.

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